«

»

Apr 29

Die Mongolische Jurte

 Die Jurte ist die tradtionelle Wohnstätte der Nomadenvölker Südsibiriens und der Mongolei. Die Basis der Jurte bilden mit Leder-Riemen verschnürte Gittermodule aus biegsamem Holz, die sich scherenartig zusammenklappen- und beim Aufbau zu beliebig grossen Strukturen kombinieren lassen. Eine normale mongolische Jurte verfügt über vier bis sechs dieser Gitter. Über das Holzgerüst werden Filzmatten gelegt und verschnürt. Optional wird darüber noch eine Lage Leinenstoff gespannt. Eine einzelne Filzschicht ist 1-2 cm dick und hat ähnliche Isolationseigenschaften wie eine 6 cm starke Ziegel-Wand. Während im Winter für gewöhnlich mehrere Lagen Filz übereinander verzurrt werden, können im Sommer die unteren Ränder der Jurte hochgerollt werden. Das Filzhaus kann von fünf Menschen in circa einer Stunde zerlegt oder aufgebaut werden. Aufgrund ihrer Komplexität gilt die Jurte als die am weitesten entwickelte aller semi-nomadischen Bauformen.

Im Westen existieren zahlreiche Ansätze zur Adaptation und Weiterentwicklung der Jurtenbauweise. In der Regel verwenden diese Designs die Geometrie und der Statik des Jurtenprinzips zum Bau von starren und fest verschraubten Konstruktionen. Bereits seit dem Ende 1960er Jahre existiert in den USA die von Bill Coperthwaite intiierte “Yurt People” Bewegung, die das domähnliche Bauprinzip der Jurte mit alternativen Baumaterialien umsetzt und damit auch mehrstöckige Konstruktionen realisiert. Die Jurtenhausdesigns von Bill Coperthwaite haben zum Ziel, jederman mit einem einem Werkzeugkoffer, einer Mehrzweckleiter und Minimum an handwerklichem Geschick in die Lage zu versetzen, im Selbstbauverfahren kostengünstige und zugleich ästhetisch hochwertige Heime zu errichten. Bill Coperthwaite’s Buch “A Handmade Life” (Chelsea Green Publishing) wurde im 2004 mit dem Nautillus Award für bewusstes Leben und positives soziales Engagement ausgezeichnet. Die Aktivitäten der Yurt Foundation, Copperwaith’s Stiftung im US Bundesstaat Maine, beinhalten seit 2008 auch das “Archives Project”, in dem Informationen zum Bau von Jurtenhäusern aus der Blbliothek der Stiftung im Internet frei zur Verfügung gestellt werden.

Die Öffnung Chinas und der Mongolei zum Tourismus bescherte der Jurtenbauweise zusätzliche Popularität. Zur Zeit entwerfen zahlreiche Designer speziell an europäisches Klima angepasste und mit allem westlichen Komfort ausgestattete Bauten im “Jurtenstil”.